4 Bücher für 4 Jungs: Buchtipps von Jürgen Hees

Jürgen Hees (40) ist schon so lange Buchhändler, dass er mittlerweile auch als Papa seiner Azubis durchgehen kann. Das macht ihm aber überhaupt nichts aus, da er sich schon von Anfang an die Kinder- und Jugendbuchabteilung unter den Nagel gerissen hat und sich seitdem der Kinder- und Jugendliteratur geradezu verpflichtet fühlt. Besonders liegen ihm die Jungs am Herzen, die vermeintlich nicht lesen wollen denn die kann man rumkriegen. Natürlich hat er auch ein großes romantisches Herz und liest mit großer Lust Bücher über Elfen, Feen und den ganz großen Herzschmerz und ist unsterblich verliebt in die Eichenfee Bryony.

Will Gallows – Jagd nach dem Schlangenbauchtroll von Derek Keilty (ab 8)

„Ein Fantasy-Western der Extraklasse!“ steht auf dem Umschlag. Was soll das denn sein, fragt sich der geneigte Leser, schlägt das Buch auf,  fängt an –  und ist mittendrin in einem wilden Ritt quer durch sämtliche Western- und Fantasyklischees. Es treten auf: Elfen, Zwerge, Trolle, Oger, Gangster, Himmelscowboys, Revolverhelden, Geister (normal und kopflos) und allerlei fliegendes Zeug, das normalerweise am Boden bleiben sollte. Verrückt, aber die Mischung funktioniert prächtig und erinnert oft an die leider etwas in Vergessenheit geratene, aber geniale Twig-Serie von Ridell und Stewart, zumindest was den Ideenreichtum und den Body Count angeht. Will Gallows, unerschrockener, aber noch minderjähriger Halbelf, zieht los, um den Mörder seines Vaters zu suchen: Noose Wormworx, ein fieser Schlangenbauchtroll (das darf man sich ruhig wörtlich vorstellen mit den Schlangen-aus-dem-Bauch-kommen!) und mordsgefährlich. Will steigt hinab in die finsteren Minen von Deadrock, einer unterirdischen Gangsterstadt. Die Suche ist alles andere als einfach, doch letztendlich schafft Will Gallows Gerechtigkeit. Logisch. Ende der Geschichte. Fehlt nur noch der Ritt ins Abendrot. Für Leser ab 8/9, die schon etwas mehr Action vertragen, aber auch 12-Jährige haben einen Heidenspaß an der Geschichte. Fortsetzung folgt. Yeehaw!

Hardcover, € (D) 13,99 | € (A) 14,40 | SFR 20,90, ISBN: 978-3-596-85567-4

„Der Clan der Wolfen“ von Di Toft (ab 10)

Nat wünscht sich einen Hund. Und was bekommt er? Einen Wolfen. War ja irgendwie klar. Zum Glück ist ein Wolfen kein Werwolf, sondern ein Gestaltwandler erster Klasse, so eine Art umgekehrter Werwolf (wenn es das überhaupt gibt). Also doch wieder Glück gehabt. Pech ist allerdings, dass Woody (besagter Wolfen) sich gerade so aus den Fängen von skrupellosen Wissenschaftlern befreien konnte, die hinter allen Gestaltwandlern her sind um aus deren Genpool eine Art Super-Soldat zu basteln. Aber nur, weil das gesamte Militär und durchgeknallte Laborheinis hinter einem her sind, den armen Woody ins Tierlabor zum Aufschnippeln zurück geben? Mitnichten! Jetzt geht’s erst richtig los… da fliegen die Fetzen, jede Menge Sachen explodieren und der eine oder andere wird schon mal gebissen. Aua. Trotz allem Aktionismus und gehörigen Gruselanteilen ist das Buch super für 10-Jährige zu bewältigen, da es niemals in den Horror abgleitet und eine schöne Portion (schwarzen) Humor bietet. Die Folgebände sind mindestens genauso gut!

Carlsen Verlag, Taschenbuch, Seiten 352, ISBN 978-3-551-31202-0, D: 7,99 € inkl. MwSt., A: 8,30 € CH: 11,90 sFr

„Die inneren Werte von Tanjas BH“ von Alex Haas (ab 12/13)

Ben ist 13 Jahre alt und verliebt in Tanja. Die schöne Tanja. Sie hat ihn sogar bereits einmal berührt. Zwar war es eine Ohrfeige, aber Berührung ist Berührung! Und was Tanja untendrunter trägt, davon kann Ben nur träumen. Gerade als er sich ein Herz fasst und die Sache mit Tanja fix machen will, kommt ein Superlangweiler-Urlaub mit seinen Eltern dazwischen. Jetzt hockt er in Dänemark (!) und sein bester (!!) Freund kümmert (!!!) sich um Tanja. Mist, Mist, Mist. Das Tanja gar nicht die große Liebe ist, sondern vielmehr Bens neue Ferienbekanntschaft aus Dänemark, merkt Ben erst sehr viel später… aber eben nicht zu spät. Andere Mütter haben noch schönere Töchter. Weiß man doch. Ein herrliches Buch über die Irrungen und Wirrungen pubertierender Jungs, ziemlich explizit (aber niemals ordinär) und wangenerrötend (für die Muttis, nicht für uns Jungs!). Ganz genauso ist das mit den Mädchen und den Jungs. Zum Brüllen. Punkt.

Oetinger Verlag, 160 Seiten · gebunden, 12,00 Euro, ISBN-13: 978-3-7891-3721-1

„Die Dämonenwache – Kampf um Port Fayt“ von Conrad Mason (ab 14)

Schon mal Terry Pratchett mit Fluch der Karibik gekreuzt? Bitte schön: Die Dämonenwache ist da. Conrad Mason klaut, wo es nur geht und doch funktioniert die Geschichte super: ein Piraten-Fantasy-Hau-drauf-und-Schluss Blockbuster zum Lesen. Das macht Spaß, das hat Witz, das ist völlig unoriginell und fast schon dreist, aber wenn es so charmant gemacht ist… geschenkt! Für alle, die Skulduggery Pleasant schon 23 mal durch haben und dringend andere Helden-Nasen brauchen.

Als Kind las Jürgen Hees gefühlte 426 mal den Hotzenplotz, als Jugendlicher den Hotzenplotz und alle Stephen King der großen Schwester, als Großer liest er immer noch manchmal im Hotzenplotz, wildert aber überall, wo es was zu lesen gibt. Momentan befindet er sich in den Badlands, Dakota. Er liest nämlich „Deadwood“ von Pete Dexter. Das ist aber doch lieber was für die Papas der Jungs…

Der mit weniger Pelz ist Jürgen!

Der mit weniger Pelz ist Jürgen!

Sein nächster Tipp für Tipp-Geber mit Niveau: Nadine Schmitt aus der Buchhandlung Lehmkuhl in München. Die sieht nicht nur schick aus, die ist auch schick. Und leseschlau obendrein!

Und Jürgen war hier schon einmal zu Gast: Artikel „Wenn es nur ordentlich kracht und scheppert!“

Mehr Buchtipps für Jungen gibt es hier.

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