Kurz vor Schluss: Buchtipps für kleine und große Lesejungs

Am 23. und 24. Dezember freuen sich alle Buchhändlerinnen und Buchhändler, wenn Kunden mit klaren Ansagen kommen. Also hier die wirklich letzte Chance, schnell und mit gutem Gewissen das richtige Buchgeschenk zu finden. Für Väter, Opas, Onkel und alle Patchworkmänner und deren Söhne, Enkel, Neffe und Patchworkjungs. Heute ausnahmsweise von mir selbst!

Das Becherlupen-Forscherbuch (ab 8)

Forschen, lesen, mitmachen, sogar ins Buch kritzeln – das bringt Bücher auch Jungs näher, die eigentlich keinen Bock auf Bücher haben. Die Ringbücher aus dem Moses-Verlag bieten all das und dazu noch Insekten-Sticker, Bleistift und ganz wichtig: die Zip-Tasche zum Sammeln und Aufbewahren von Insektenleichen und anderen Dingen, die man Mutti unbedingt zeigen muss. Bitte (!!!) machen Sie gute Miene zum gelegentlich mörderischen Spiel. Es ist Leseförderung, das heiligt (fast) alle Mittel. Und Sie lernen auch  noch dazu, zum Beispiel, dass man im eigenen Haus die Zebraspringspinne finden kann.  Außerdem sind Sie die Männer mal für ein paar Stunden los. Die Becherlupe kann man bei moses.-Verlag dazu kaufen oder – viel besser – selbst basteln.

Becherlupen-Forscherbuch

Moses. Verlag, 95 Seiten, ISBN 978-3897775770, 9,95 Euro

„Vorsicht vor Fako Mustacho“ von Tom Angleburger (ab 10)

Wer es schafft, komisch und gleichzeitig spannend zu schreiben und Mut zur Klamotte hat,  kommt bei vielen Jungs gut an. Tom Angleburger ist so einer, spätestens mit Darth Paper und Konsorten hat er es bewiesen. Hier mixt er falsche Schnurrbärte mit Cowgirls, größenwahnsinnigen Sechstklässlern und Banküberfällen (und ein paar weitere Zutaten) und serviert sie in lesefreundlichen kurzen Kapiteln.

Fako

Knesebeck Verlag, geb., 264 Seiten, ISBN 978-3-86873-584-0, 14,95 € (D) 21,90 sFr ⁄15,40 € (A) 

Der perfekte Spion von Keith Melton (ab 12 allein, mit Papa schon ab 10)

In diesem Jahr kam zu all den anderen Fragen, die Kinder so stellen können, auch noch die, ob Papa und Mama denn mit diesem NSA unter einer Decke stecken, weil sie auch ständig wissen wollen, wo sich der Sohnemann denn so aufhält. Und mit wem. Und mit was er sich beschäftigt, wenn  er eigentlich Hausaufgaben machen soll. Eine  gemeinsame Einarbeitung ins Grundwissen der Geheimdienste schafft Vertrauen und Vertrauen ist in Familien wichtig. Eine schöne Bild-/Textkombination mit viel Old School-Spionagetechnik. Die modernen Errungenschaften lassen Sie sich am besten … äh … von ihrem Sohn erklären.

Perfekte Spion

Dorling Kindersley, 224 Seiten, rund 1.000 Farbfotografien, 288 x 235 mm, gebunden, ISBN 978-3-8310-9117-1, EURO 9,95 [D] 10,30 [A] SFR 14,90

Boy Nobody von Allen Zadoff (ab 14)

Kurz und knapp und krachend. Das ist die Zusammenfassung von Boy Nobody. Oft sehr kurze Sätze. Kapitel über drei Seiten sind schon fast langatmig. Darüber kann man streiten, aber es ist das perfekte Buch für Jungs ohne Ausdauer und Jungs, die auch im Alter von 14 noch Probleme mit dem flüssigen Lesen haben. Für solche Jungs Geschichten zu finden ist außerordentlich schwierig. Texte, die ihrem Lese-Niveau entsprechen, sind meistens zu kindisch, nicht komplex genug, was die Story angeht. Die Hauptperson Zach wurde schon mit 12 für eine Geheimorganisation rekrutiert, deren Aufgabe in erste Linie darin besteht zu töten. Ohne zu fragen. Ohne zu fühlen. Und genau das tut Zach mit seinen mittlerweile 16 Jahren. Aber dann geht etwas schief und er gerät ins Visier seiner Ausbilder …

boynobody

Bloomoon Verlag, 336 Seiten, 16,99 € [D], 17,50 € [A], CHF 24,90, ISBN: 978-3-8458-0005-9

Und weil Weihnachten ist und es außerdem meine eigene Reihe ist, darf ich auch zwei weitere Tipps hinzufügen, die eher etwas für Jungs sind, die man nicht unbedingt zum Buch tragen muss:

Die wunderbaren Reisen und Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen illustriert von Binette Schroeder (zum Vorlesen, auch für Jungs, denen sonst nicht mehr vorgelesen wird)

Zum Lügenbaron muss ich nicht viel sagen. Diese wunderschön ausgestattete Version der Münchhausen-Geschichten lebt natürlich sehr von den kunstvollen, aber trotzdem auch für Kinder geeigneten Zeichnungen. Etwas für Leser und Sammler! Sie müssen anschließend natürlich erklären, warum ein Lügenbaron Lügengeschichten erzählen darf, selbiges beim Sohn aber verwerflich ist. Denken Sie sich was aus oder fabulieren Sie gemeinsam. Das nennt man Anschlusskommunikation in der Leseförderung, das macht die ganze Sache mit dem Lesen erst rund. Hier kann man reinschauen.

NordSüd-Verlag, gebunden mit Halbleinen, Seitenzahl 64, Format in cm 22 x 27 cm, ISBN: 978-3-314-10150-2, Euro: 19,95

„Nikos Reise durch Zeit und Raum“ von Sonia Fernández-Vidal (für alle, die schon immer mal wissen wollten, was Quantenphysik ist, ansonsten ab 12)

Die Autorin (ver)führt uns in eine  fantastische und verwirrende Welt und schafft am Ende damit Realität und Aufklärung. Aber der Anspruch, uns etwas über Quantenphysik zu vermitteln, ist eigentlich völlig unwichtig, weil Fernández-Vidal einfach eine schöne Geschichte erzählt. „Wenn du möchtest, dass sich etwas verändert, dann hör auf, immer das Gleiche zu tun“, gibt sie ihrem Held Niko mit auf den Weg und prompt gerät er in ein Haus, das sperrangelweit offen und doch verriegelt ist, begegnet einer Quantenfee und wohnt einer Uraufführung bei, die mit einem Knalleffekt beginnt. Oder endet? Hier eine Leseprobe.

Hanser Verlag, fester Einband, 208 Seiten, mit s/w-Illustrationen, 14,90 € (D) / UVP 21,90 sFR (CH) / 15,40 € (A), ISBN 978-3-446-24311-8

Und jetzt: FROHE WEIHNACHTEN!

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