Väter lesen vor – ein Projekt der pro familia Passau

„Dieses Vätervorlese-Projekt lässt sich leicht und ohne finanzielle Ressourcen jederzeit und überall realisieren. Wenn ich das praktisch vor Ort umsetze,  brauche ich keine Politik, dann ändert sich etwas bei den beteiligten Menschen.“
Perdita Wingerter von Pro Familia Passau im Gespräch mit Dr. Bruno Köhler, Leiter des Projekts „Jungenleseliste“ von MANNdat e.V. – ein Gastbeitrag

MANNdat: Sehr geehrte Frau Wingerter, pro familia führt derzeit ein Vätervorlese-Projekt durch. Wie läuft das ab?

Perdita Wingerter: Wir haben vor einigen Jahren eine Männergruppe bei pro familia initiiert, die sehr aktiv ist. Ich habe dort angefragt, ob sich einige der Väter vorstellen könnte, sich auch bei einer Vorleseaktion für Kinder zu engagieren. 4 Väter sagten spontan zu. Wir arbeiten bei der Aktion mit der örtlichen Bücherei zusammen, die einen eigenen Raum dafür zur Verfügung stellten und uns bei der Werbung unterstützen. Zielpublikum waren Kinder im Alter zwischen 5 und 8 Jahren. Wir richteten den Raum sehr gemütlich her, mit großen Sitzkissen, einem gemütlichen Ohrensessel für die Vorleser, dekorierten den Raum und stellten für die Kinder Kekse und Getränke zur Verfügung. Die Vorleseaktion dauert zwischen 1 – 1,5 Stunden – länger können sich die Kinder nicht konzentrieren. Weiterlesen

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Nach Models, Bauern und Schlagerstars werden nun Bücher gecastet!

Ein Gespräch mit Ute Hachmann, Leiterin der Stadtbibliothek Brilon, über eine knackige Methode der Leseanimation: das Buchcasting. Nicht nur, aber für leseunlustige Jungs besonders geeignet.

 Frau Hachmann, nach Sängern, Models, Schwiegertöchtern und Bauern werden nun auch Bücher gecastet. Warum?

Ob jemand ein Buch in die Hand nimmt und plant, es zu lesen, ist oft eine Sekunden-Entscheidung, die ohne großes Nachdenken im Kopf abgeht. War es das tolle Cover? Klang der Titel super? Fesselte mich der Klappentext? Zog mich der erste Satz gleich in die Geschichte rein?

Ute Hachmann castet Bücher

Ute Hachmann castet Bücher

Und schon ist klar – auch Bücher sind einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt. Genau wie der Wettbewerb unter Sängern, Models oder Schwiegertöchtern möchte auch das beste Buch gewinnen und gelesen werden.
Hier unterstelle ich dem Buch ein Eigenleben, das so natürlich tatsächlich nicht stattfindet. Aber alle Menschen, denen es am Herzen liegt, das die vielen guten Bücher auf der Welt auch gelesen werden, suchen immer wieder nach guten Ideen und Konzepten, um die Lektüre an den Mann oder die Frau oder das Kind oder den Jugendlichen zu bringen.
Und da Casting-Shows bei Jugendlichen absolut beliebt sind, liegt es doch eigentlich sehr nahe, das wir „Leseförderer“ die Idee, die sich hinter Casting-Shows verbirgt, übernehmen. Weiterlesen

Wenn es nur ordentlich knallt und scheppert!

Buchhändler Jürgen Hees im Gespräch mit Frank Maria Reifenberg über Jungsregale, Albtraumdealer und Büchertüten für Neugeborene: „Meine oberste Regel ist: Jungs, die zu mit kommen, dürfen lesen, was sie wollen. Weder lache ich sie aus noch werde ich die Wahl als trivial oder Ramsch bezeichnen. Ich nehme sie ernst.“

Jürgen, du warst (und bist wahrscheinlich) Deutschlands erster „Jungenbuchhändler“. Wie kam es dazu und was muss man darunter verstehen?

Jürgen Hees, quasi unterwegs

War ich der erste? Das weiß ich gar nicht, tatsächlich kannte ich damals wirklich keinen anderen persönlich, der eine eigene Jungsecke eingerichtet hätte. Mittlerweile habe ich aber bereits in einigen Buchhandlungen und Bibliotheken Jungsregale entdeckt. Ob das Nachahmer sind oder ob die Leute dort selbst drauf gekommen sind… keine Ahnung! Aber das ist eigentlich auch egal, Hauptsache, es passiert etwas in dieser Richtung.

Warum macht man überhaupt ein Jungsregal?

Anfangs gab es in der Buchhandlung, in der ich arbeite, nur das übliche Kinder- und Jugendbuch A-Z mit den ganz typischen Einteilungen  ab 8, ab 10 und so weiter. Als die Frechen-Mädchen-Freche-Bücher-Reihe bei Thienemann erschien, stellte man ganz plötzlich Hanni und Nanni, Die wilden Hühner  und wie sie alle heißen in ein separates Regal, pappte einen griffigen Slogan wie z.B. „Wilde Mädchen“ oder „Weiberkram“ drauf und fertig. Das hat super funktioniert und keiner hat es je infrage gestellt. Weiterlesen