Leseförderung im Dschungel mit dem Drachen Kokosnuss.

Die Studierenden meines Seminars „Leseanimation für Jungen“ gestalten unter meiner Anleitung Workshops und Projekttage jeweils rund um ein Buch und ein Thema. Diese Gruppe hat sich besonders ins Zeug gelegt und gezeigt, wie man alle Sinne einsetzt, um Lesen spannend zu machen.
Die Basis war das Buch „Der kleine Drache Kokosnuss und der Schatz im Dschungel“ von Ingo Siegner. Die komplette Dokumentation mit Fotos findet sich hier:  Workshop Der kleine Drache Kokosnuss. Das Seminar ist ein Teil des Lehrprojekts „boys & books“ (weitere Workshops unter diesem Link) am Lehrstuhl von Prof. Dr. Christine Garbe, Institut für Sprache und Literatur II der Uni Köln.

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Buchtipps für Jungen im sommerlichen Eselsohr

Wenn der Vater mit dem Sohne in die Ferien fährt, kommt alles raus, was er nicht kann – der Vater, nicht der Sohn! Im Zweifelsfall hängt es dann an der Mutter, für zwei bis drei Wochen das Familienwetter irgendwie im Hochdruckbereich zu halten, mit möglichst viel Hoch und wenig Druck.
Diese Bücher könnten helfen, weil viel verschwunden wird darin. Das ist das, was sich die Mütter in den drei Wochen oft wünschen. Sie sprechen es natürlich nicht aus. Schlaue Mütter!
Meine Buchtipps für Jungen im Eselsohr-Heft Juli 2015 hier zum Download. Wie immer gilt: Das Heft ist randvoll mit Beiträgen und Rezensionen rund ums Kinder- und Jugendbuch, es lohnt sich ein Abo.

Cover Buchtipps Eselsohr Juli 2015

Startelf der Bücher für kicken&lesen Köln

Der Cheftrainer des Kölner kicken&lesen-Turniers, Frank Maria Reifenberg, hat sich auf die Startelf der Bücher für die Spielzeit 2014/15 festgelegt. „Wir hoffen, dass sich die Zombies und die Superhelden nicht allzu sehr in die Quere kommen“, betont die Schiedsrichterin Ursula Schröter. Für einen Ausgleich sollen Haushaltsroboter, Tiefseetaucher und Top-Top-Agenten sorgen. Reifenberg betonte: „In unserer Liga haben wir glücklicherweise noch knapp 60 Ersatzbücher, die blitzschnell aus der Bücherkiste ins Spiel wechseln können.“

Im Download-Bereich (siehe dort „Leseempfehlungen“) von kicken & lesen Köln findet sich die Liste der Bücher, die wir den Betreuerinnen und Betreuern unserer acht Teams besonders empfehlen. Mit dabei sind u. a. Andreas Schlüter, Rüdiger Bertram, Antje Herden, Christian Tielmann.

Praxisbuch Leseförderung mit kicken&lesen Köln

Frisch aufm Tisch: Das Praxisbuch Leseförderung mit einem ausführlichen Artikel über das kicken&lesen Köln-Projekt inklusive beispielhafter Trainingsabläufe.  Und natürlich vielen anderen nicht minder interessanten Beiträgen zum Thema … klar: Leseförderung.

Praxisbuch Leseförderung

4 Bücher für 4 Jungs – Tipps von Sylvia Mucke

Grausige Monster, Schurken zum Ablachen, Temponauten mit Suchtfaktor und am Ende eisige Kälte. Muss ich mehr sagen? Klingt sehr nach Jungenlesestoff. Heute aus der Redaktion des Magazins Eselsohr von Sylvia Mucke. Die Februar-Ausgabe der Tipps leider erst im März, weil ich so fies grippig war … Die Aufgabe lautete wie immer: Stell dir vor, der Herr Reifenberg ist mit vier Neffen im Alter von 8, 10, 12 und 14 Jahren gesegnet und die will er ans Buch kriegen …

„Haus des Grauens“ von Zana Fraillon (ab 8)

Vom Verlag wird es zwar ab 10 empfohlen, aber Umfang und Schriftgröße sind durchaus schon für Achtjährige gut machbar. Nur brauchen sie natürlich starke Nerven für diesen monstermäßigen Stoff. Denn im „Haus des Grauens“ geht es monstermäßig zur Sache.

Kosmos Verlag, 192 Seiten, ISBN: 978-3-440-13203-6, 8,99 €

„Schurken machen Krawall“ von Frank Schmeißer (ab 10)

erscheint am 1. Februar und ist bereits der 3 Band der Schurken-Serie von Frank Schmeißer. Der Autor, selbst eine Ulknudel, liefert garantiert Lesespaß. Ich bin jetzt schon gespannt, was Sebastian und sein Team höchst eigenwilliger Superhelden diese Runde verzapfen und wen sie als nächstes an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen.

Ravensburger Verlag, ISBN: 978-3-473-36858-7, 12,99 €

„Treffpunkt 2321“ von Stephen Measday (ab 12)

Band 1 der Fünf Temponauten ist Krimi und Science Fiction zugleich. Wie der Name schon sagt, geht es um Zeitreisen und natürlich gibt es auch ein großes Geheimnis. Das Buch startet schnell und hält die Spannung bis zum Schluss. Nur Vorsicht: Der Serienauftakt birgt Suchtgefahr!

Aus dem Englischen von Anja Hansen-Schmidt, Hardcover, 320 Seiten, ISBN 978-3-423-76050-8, 12,95 €

„Kälte“ von Michael Northrop (ab 14)

„Kälte“ hat das, was man gemeinhin als „Sogwirkung“ bezeichnet: Dieses Buch saugt den Leser bereits auf der ersten Seite mitten hinein ins Geschehen und spuckt ihn erst auf der letzten Seite wieder heraus, ziemlich aufgewühlt noch dazu. Eine kleine Warnung vorab: Schnee und Winter werden nach der Lektüre eine ganze Weile nicht mehr das sein, was sie mal waren …

Aus dem Amerikanischen von Ulrich Thiele, 256 Seiten, ISBN 978-3-7855-7428-7 , 6,95 €

Sylvia Mucke (39) liebte als Kind das „Zwiebelchen“ (von Gianni Rodari und Raul Verdini). Im Moment liest sie „Wer hat Angst vor Jasper Jones“ (von Craig Silvey, erschienen bei rororo), übrigens ebenfalls ein prima Schmöker für Jungs ab 14, genau wie „Kälte“ im weitesten Sinne Spannungsliteratur, aber völlig anders gestrickt. Sie arbeitet als Chefredakteurin beim Magazin Eselsohr – Leseabenteuer GmbH (Linprunstraße 42, Rgb. 80335 München).

Mucke

Noch mehr Empfehlungen von ganz unterschiedlichen Leuten gibt es hier: “Buchtipps für Jungen”.

Bücher müssen runter vom hohen Sockel

Jungen lesen anders und anderes. Und oft lesen sie gar nicht. Das hat Gründe. Ein Beitrag von Frank Maria Reifenberg zum Leseverhalten von Jungen und darüber, was wir tun können, um ihnen mehr und lustvolleren Zugang zu Büchern zu verschaffen. Den kompletten Artikel aus dem Kilifü-Almanach mit Buchtipps und weiteren Informationen können Sie hier downloaden: Bücher müssen runter vom hohen Sockel als PDF.

»Wir wollen das Thema jetzt nicht überbetonen und Sie in eine bestimmte Ecke schieben«, tickte der Reporter des Kölner Stadtanzeigers im Gespräch mit dem Fußballprofi Andreas Beck ein offensichtlich heikles Thema an. »Manche Fußballer haben da ein komisches Image bekommen, aber es ist bekannt…«, Achtung, jetzt kommt es, »… dass Sie sehr viel lesen.«

(c) iStock

Uff. Da war es heraus. Nicht Lack oder Leder sind die schrecklichen Leidenschaften des damaligen Nationalspielers, sondern Lesen. Andreas Beck steht auf Bücher – übrigens dicke und schwierige Bücher, Dostojewski gehört auch dazu. Ob er weiß, welch großen Gefallen er vielen Jungs täte, wenn seine Lust am Lesen nicht als »heikles Thema« quasi unter der Ladentheke gehandelt werden müsste?

Über 50% der Jungen lesen nur, wenn sie müssen…

Lesen hat bei vielen Jungen spätestens ab der fünften Klasse kein gutes Image. Gerade in diesem Alter bedeutet Image viel, manchmal alles. Bin ich ein cooler Typ oder bleibe ich im Sportunterricht beim Wählen der Fußballmannschaft immer als letzter übrig? Zocke ich die richtigen Games, stimmen die Sneaker und das Smartphone? Im Ranking der Statussymbole kommt das Buch nicht vor.
Sogar Jungs, die in der Grundschule noch begeisterte Leser waren, verlieren – manchmal fast von heute auf morgen – die Lust am Lesen. Das führte in den PISA-Studien dazu, dass Jungen zu Beginn der Pubertät gegenüber gleichaltrigen Mädchen oft ein ganzes Schuljahr zurückhängen, über die Hälfte der Jungen lesen nur, wenn sie müssen.

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4 Bücher für 4 Jungs – Tipps vom Schatzinsel-Team

Kurz vor Weihnachten ist es höchste Zeit, sich mit dem ganz, ganz großen Glück zu beschäftigen. Oder den Planenten zu wechseln? Oder schütteln wir die Welt einfach mal durch? Das Team der Buchhandlung Schatzinsel hilft Jungs bei der Entscheidung.

„Ein einzigartiger Freund und das ganz, ganz große Glück“ von Lotta Olsson und Maria Nilsson Tore (ab 8)

Bist du komisch? Dann melde dich! Der große Ameisenbär lädt ein zum ersten Komische-Tiere-Wettbewerb. Tolle Geschichte. Famose Zeichnungen. Dolle Dialoge. Sehr schön wie die Haselmaus den Wettbewerb ins Netz stellt: den Support übernimmt die Kreuzspinne (Seite 42/43).

112 Seiten, gebunden, 9.99 €, ISBN 978-3-401-09977-4 Weiterlesen

Leseanimation in der Praxis – 2 Konzepte für Schulen und Bibliotheken.

Book-Slam® und Bücherjungen – Jungenbücher, zwei Praxisbeispiele: Leseförderung ist ein weites Feld, das es über lange Zeit und über mehrere Stufen zu beackern gilt. Oft wird der Begriff ungenau genutzt und ein einzelner Baustein des Prozesses für das Ganze gesetzt, nämlich die Leseanimation. Sie ist ein wichtiger Baustein, weil hier – im Idealfall – Bücher aus dem staubigen, anstrengenden Kontext, in dem viele Kinder und Jugendliche das Lesen sonst erleben, herausgehoben werden. Lust  am Buch zu wecken ist gleichzeitig Ziel und Weg solcher Maßnahmen. Leseanimation muss jedoch in weitere, nachhaltige Bemühungen der Leseförderung eingebettet werden, sonst verpufft sie.

Book-Slam für den Titel „Die Poison diaries – Liebe ist unheilbar“ von Maryrose Wood. Nicht für Jungs, aber mal ehrlich, danach will sonst JEDE(R) das Buch lesen!
Foto: Petra Scheuer

Ich stelle heute zwei Methoden zur Leseanimation vor, die in jeder Schule oder Bibliothek mit recht überschaubarem Aufwand umgesetzt werden können. Den Book-Slam® (der Begriff wurde als Warenzeichen geschützt, deshalb das kleine ®) von Dr. Stephanie Jentgens entwickelt, Dozentin für Literatur an der Akademie Remscheid, und meinen eigenen Workshop Bücherjungen – Jungenbücher.

Book-Slam® – schnell, knackig, emotional

Buchvorstellungen durch Schülerinnen und Schüler vor der Schulklasse gab es schon früher. Meistens holperte sich der oder die Vortragende durch eine Inhaltsangabe und ermüdete sich und das Publikum. Der Book-Slam macht daraus eine rasante und jugendgerechte Methode. Im Mittelpunkt steht, ein Buch in sehr knapper Zeit „hinzuknallen“ (wie das englische Wort ‚slam’ schon ahnen lässt.) Es ist eher mit einem Werbespot als mit einer Buchempfehlung zu vergleichen.

Schnell, knackig, auf den unique selling point des Buches gebracht, emotional, mit kreativen Mitteln, die möglichst auch die Sinne ansprechen und nicht nur den Verstand. Ich habe dies zum ersten Mal voriges Jahr auf einer Lesereise in Südtirol erlebt. Drei Gruppen einer Klasse überraschten mich mit Präsentationen meiner eigenen Bücher: Eine Moritat mit wunderschönen Bildern, eine Szene, die vorgespielt wurde usw. Ich kam am Ende fast gar nicht mehr zum Vorlesen und lernte meine eigenen Bücher neu kennen.

And the winner is …

Kurz und knapp umrissen sieht die Methode so aus: Ein kleines Team sucht sich ein Buch aus und bereitet eine Präsentation vor. Das kann unterschiedliche Formen haben: Ein Rap, eine Bildergeschichte, szenische Darstellungen, das Buch als Schattenspiel – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Es stehen nur drei Minuten zur Verfügung.

Im Vordergrund steht: Kann ich das Publikum für dieses Buch begeistern und – ganz wichtig! – kann ich den Slam damit gewinnen, denn es ist als Wettbewerb angelegt. Am Ende sind die Slam-Teilnehmer dem gnadenlosen Urteil der Zuhörerinnen und Zuhörer ausgesetzt, wie beim Eiskunstlaufen werden die Wertungstafeln gezückt. Dabei wird nicht der Darsteller beurteilt, sondern das Buch. Wichtig ist, dass die Zeit eingehalten wird, weshalb eine Hupe oder Pfeife ebenso gnadenlos das Ende jeder Vorstellung signalisiert.

Wertungstafel eines Book-Slams, Foto: Petra Scheuer

Besonders geeignet ist diese Methode für 10- bis 12-Jährige. Auf der Homepage www.bookslam.de hat Stephanie Jentgens ausführlich die Durchführung eines Book-Slams dokumentiert. Alle, die den “Book-Slam®” kommerziell nutzen, müssen sich wegen der Nutzungsrechte an die Akademie Remscheid wenden. Wo die Grenzen zwischen kommerziell und nicht-kommerziell verlaufen, weiß ich nicht, also: auf jeden Fall nachfragen.

Für Nachhaltigkeit sorgen

Sehr wichtig ist, nach dem Book-Slam für Nachhaltigkeit zu sorgen. Das beginnt damit, dass die vorgestellten Bücher anschließend auch verfügbar sein müssen. Jentgens betont das und ich unterstreiche es. In mindestens der Hälfte aller Fälle sind noch nicht einmal die Bücher, aus denen ich vorlese, in der Schule vorrätig. Sogar in Bibliotheken kommt das vor, wenn auch viel seltener!
Mittlerweile gibt es auch Fortbildungen für Multiplikatoren in der Leseförderung, zum Beispiel bietet die Diplom-Bibliothekarin Petra Scheuer aus der Stadtbibliothek Lauterbach solche an. Praxisberichte gibt es auch schon einige, einfach mal Book Slam googeln.

Bücherjungen – Jungenbücher

Der von mir entwickelte Workshop ‚Bücherjungen – Jungenbücher‘ ist eine Maßnahme zur Leseanimation und Lesemotivation von Jungen der 5. und 6. Klasse, richtet sich also an dieselbe Alterstufe wie der Book-Slam. In einer lockeren Abfolge von Lese-, Spiel- und Bewegungselementen wird der Umgang mit Büchern in einem unterhaltsamen Rahmen erprobt. Im Mittelpunkt steht, das Lesen als eine auch für Jungen attraktive Kulturpraxis zu präsentieren, die zunächst vor allem der Unterhaltung und Entspannung dient. Zentrales Element ist das Bücher-Voting, in dem die Teilnehmer die von ihnen favorisierten Titel aus 10 bis 15 Vorschlägen auswählen.

Bücher-Voting Foto: Frank M. Reifenberg

Bücher im Konkurrenzkampf stärken

Für viele Jungen ist Lesen eine mühselige und langweilige Angelegenheit, die zudem nicht zu ihrem Bild von einem coolen Typ passt. Lesen ist in ihren Augen Mädchenkram, andere Medien – besonders elektronische Spiele aller Art – sind attraktiver und oft reicht ihre Lesekompetenz auch nicht aus, um flüssig und mit Freude zu lesen. Am letzten Punkt ändert auch ein solcher Workshop nichts, hier greifen nur langfristig angelegte Maßnahmen der Leseförderung.

(c) Abraxas Festival Zug/Schweiz

‚Bücherjungen – Jungenbücher‘ macht in erster Linie Lust aufs Buch und holt das Buch vom Sockel des hohen Kulturguts mit pädagogischem Anspruch herunter. Im Workshop begegnen den Teilnehmern Bücher als etwas, in dem es um Dinge geht, die sie interessieren, in einer Form und mit Methoden, die ihnen Spaß machen.

Mitmachen, bewegen, Spaß haben

Der Workshop folgt einer Dramaturgie, die Spannung erzeugt, Bücher begehrenswerter macht. Dazu gehört auch die Abgrenzung zu den Mädchen. Alleine die Tatsache, dass die Jungen sich „auserwählt“ fühlen und mit einer Veranstaltung nur für sie „belohnt“ werden, schafft eine Atmosphäre des Besonderen.

Bewegung und Aktions-Elemente spielen eine wichtige Rolle. Die Jungen werden immer wieder spontan zum Mitmachen animiert, sie sollen ihre Talente einbringen und vorführen – freiwillig und ohne Leistungsdruck. Wenn es sich ergibt wird gezeichnet, gesungen oder es werden sportliche Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Dass es sich ergibt, dafür muss der Coach sorgen. Es wird viel gelacht und viel applaudiert. Und als Coach sehe ich mich in dieser Situation. Nicht als Leiter oder Lehrer.
Der Workshop kann im Prinzip von jedem durchgeführt werden, der im Umgang mit Jungen der Altersgruppe geübt ist und ihnen vorurteilsfrei begegnet. Dies gilt auch für Frauen. Nicht das Geschlecht entscheidet in erster Linie über den Erfolg, sondern die Frage, ob Mann wie auch Frau gendersensibel agiert.

Animateur, Entertainer, Dompteur

Leseanimation kann viele Formen haben. Sie lebt davon, was der „Animateur“ daraus macht. Genau so fühle ich mich dabei: wie ein Animateur oder ein Entertainer in Sachen Bücherspaß. Manchmal auch wie ein Dompteur, weil es gar nicht so einfach ist, jedes Mal von neuem vor eine völlig fremde Gruppe von Rabauken zu treten und ihnen – wenn auch nur für zwei Stunden – ein intensives Angebot zu machen.
Dazu werfe ich immer wieder viel von mir in den Ring: meine Persönlichkeit, meine Erfahrungen im Auftritt vor Gruppen, meine eigene Lesesozialisation und nicht zuletzt mein Vergnügen daran, mit anderen in einen Dialog zu treten, andere herauszufordern.

Die Workshops folgen dem beschriebenen Muster, laufen aber nie nach Schema F ab. Sie erfordern eine ständige Anpassung an das Lese-Niveau der Teilnehmer, an deren Bereitschaft mitzuspielen, an die Laune und die Bücher, die die Jungen mitbringen. Zur Ermutigung anderer stelle ich den Ablauf des Workshops und die Liste der Bücher, die ich verwende, zum Download zur Verfügung. Ich würde mich freuen, wenn andere dieses Gerüst nutzen und ihren eigenen Workshop daraus entwickeln.

Selbst lesen hilft!

Ein Tipp für alle, die den Workshop ausprobieren wollen: Das Interesse an Büchern und damit auch die Bereitschaft, sich mit einer gewissen Anzahl von Titel zu beschäftigen, ist natürlich eine wesentliche Voraussetzung. Das hört sich selbstverständlich an, aber sehr häufig stelle ich fest, dass es den betreuenden Personen zu viel ist, sich mit den vielleicht 20 Titeln zu beschäftigen, die man für die Workshops braucht. Daraus jedoch bezieht die ganze Aktion ihre Kraft. Die gekonnte Verbindung zwischen Vorlieben der Teilnehmer und den  Geschichten herzustellen, gelingt nur, wenn man sowohl die Interessen der Jungen als auch die Bücher kennt.

Übrigens, beide Methoden können auch gut miteinander verbunden werden: Zuerst das Voting, dann mit dessen Ergebnissen der Slam.

Hier können Sie das ausführliche Konzept des Workshops downloaden: Reifenberg BJJB Workshop Konzept 10_2012 (PDF). Über Rückmeldungen und Anregungen freue ich mich sehr. Nutzen Sie  die Kommentarfunktion oder schreiben Sie mir eine E-Mail, wenn Sie eigene Veranstaltungsformen entwickelt haben. Und wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, freut mich auch der Klick auf den Gefällt-mir-Button unten.

Einen Radiobeitrag über einen BJJB-Workshop in der 8. Klasse finden Sie hier: Radiobeitrag Workshop BJJB Bad Berleburg (mp3-Datei).  Weitere Beiträge zum Thema in diesem Blog: Buchtipps für Jungen.

Leseförderung emotional aufladen

 „Das Schulsystem operiert mit Lehrmethoden, die aus grauer Vorzeit stammen und Erkenntnisse aus der Hirnforschung nicht berücksichtigen, kritisiert der Hirnforscher Gerald Hüther. Die Annahme, dass es mehr oder weniger Begabte gebe, sei wissenschaftlich nicht zu halten.“

schreibt heute buchreport.de im Artikel Leseförderung braucht Funkensprüher. Ein paar schlicht klingende Antworten des Wissenschaftlers zu dem Thema, die ich aus meiner Praxis in der Leseförderung für Jungen nur doppelt und dick unterstreichen kann.

Gerade Jungen hängen hier besonders zurück, aber in meinen Workshops „Bücherjungen – Jungenbücher“ und „Und Schuss! Und Tor! – Kicken & Lesen“ erlebe ich immer wieder, wie Jungs (insgesamt, aber auch die aus bildungsferneren Familien, mit und ohne Migrationshintergrund!) darauf anspringen, wenn Bücher und die Beschäftigung mit Büchern durch Emotionen und  Spannung aufgeladen werden. Ich bin schon oft  von Lehrern und Bibliothekaren gefragt worden, was der Trick in den Workshops sei, wo ihre Jungen plötzlich wild und begeistert mitmachen, mitlesen, sich im Book-Walk fast um die Bücher reißen. Sie erkennen ihre Schüler oft nicht wieder. „Es gibt keinen Trick“, sage ich dann, „vielleicht spüren sie die Begeisterung bei mir.“  Den Satz von Gerald Hüter werde ich mir nun merken (und benutzen, Verzeihung Herr Hüther):

„Ganz einfach: Indem man selbst von Büchern begeistert ist und den Funken der Begeisterung auf das Kind überspringen lässt. Begeisterung ist ein Gefühl. Das heißt, wenn wir wollen, dass Kinder etwas lernen bzw. eine neue Verschaltung im Gehirn aufbauen, müssen wir dieses Gefühl wecken. Wir müssen das, was wir uns wünschen, emotional aufladen.“

In „Bücherjungen – Jungenbücher“ macht natürlich eine Menge aus, dass ich auch einen etwas respektlosen Umgang mit den Büchern  zelebriere, das Buch (und auch mich, den vorher bedeutungsschwer angekündigten Schrrrriiiftsteller!“) vom Sockel hole und beweise, dass Lesen etwas mit Handstandmachen und Armdrücken zu tun haben kann – ganz praktisch. Ein absoluter Erfolgsgarant ist das Bücher-Voting, die Möglichkeit mitzubestimmen. Nach dem Kennenlernen der Bücher bekommt jeder drei Klebepunkte, die er frei vergeben darf. Da sieht man am Ende sehr deutlich, wer toppt und wer floppt.

Und Schuss! Und Tor! – Kicken & Lesen

Am Ende wird von mir vorgelesen! Aber das müssen sich die Jungs erst einmal „verdienen“…  Kicken steht auf dem Programm, selbst lesen steht auf dem Programm und Geschicklichkeit steht auf dem  Programm – mit Bällen und Büchern.  Es gewinnt, wer in beiden Disziplinen gut ist.  Der Workshop findet natürlich nicht im Klassenzimmer statt: Auf geht’s, Jungs! Ab in die Turnhalle, denn da kann man mindestens genauso gut lesen. Schauen Sie sich HIER einen TV-Bericht zu einem Workshop an.

Altersgruppe:
5./6. Klasse
Dauer:
3  Schulstunden plus Pause
mit:
Aktions- und Spielelemente, Lesung, Gespräch, Autogramme

Teilnehmerzahl:
21 (max.)
techn. Hilfsmittel:
keine
Kosten
:
550  € zzgl. Reisekosten, ggf. Übernachtung & 19 % MwSt.
(Bei Lesereisen und mehreren Veranstaltungen an einem Tag oder in einer Woche reduzieren sich die Honorarkosten)

ACHTUNG:
Die Veranstaltung findet in der Turnhalle oder in einem entsprechend großen anderen Raum statt. Außer Fußbällen braucht es Matten oder Sitzgelegenheiten und ein kleines Tor.  Weitere Details auf Anfrage.